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Die Blutwerte deines Hundes oder deiner Katze, verständlich erklärt

Aus dem Labor kam eine Seite voller Zahlen, Pfeile und Abkürzungen — und niemand hatte Zeit, sie mit dir durchzugehen. Hier erfährst du, wonach deine Tierarztpraxis eigentlich gesucht hat und was die Werte bei deinem Hund oder deiner Katze bedeuten.

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Hund & Katze
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Illustration: Ein rotes Kätzchen im Schwesternkittel nimmt einem ruhigen cremefarbenen Welpen mit runder Brille behutsam Blut aus der Pfote, in einer hellen Tierarztpraxis

Warum deine Tierarztpraxis Blut abgenommen hat

Eine Blutuntersuchung ist der schnellste und günstigste Blick ins Innere deines Tieres. Die meisten Befunde entstehen aus einem von vier Gründen — und welcher es bei dir war, verändert, wie du die Zahlen lesen solltest.

Routineuntersuchung

Eine Ausgangsaufnahme, solange es deinem Tier gut geht. Der eigentliche Wert zeigt sich später: Jedes künftige Ergebnis hat damit etwas zum Vergleichen.

Irgendetwas stimmt nicht

Mehr trinken, weniger fressen, Erbrechen, Gewichtsverlust, wenig Energie. Eine Blutuntersuchung macht aus einer langen Liste möglicher Ursachen eine kurze.

Vor einer Narkose

Das Blutbild vor der Narkose prüft, ob Nieren, Leber und rote Blutkörperchen den Eingriff sicher mitmachen. Meist beruhigend, gelegentlich der Grund, warum ein Termin verschoben wird.

Bekanntes im Blick behalten

Nierenerkrankung, Diabetes, Schilddrüse oder ein Medikament, das kontrolliert werden muss. Hier zählt die Richtung der Entwicklung viel mehr als jeder einzelne Wert.

Was eigentlich auf dem Befund steht

Fast jeder tierärztliche Laborbericht besteht aus zwei Untersuchungen auf einer Seite. Hund und Katze bekommen dieselben zwei — der Unterschied liegt darin, wie die Ergebnisse gelesen werden.

CBC

Großes Blutbild

Zählt die Zellen, die im Blut schwimmen — die, die Sauerstoff transportieren, Infektionen bekämpfen und Blutungen stoppen.

  • Rote Blutkörperchen RBC, HKT, HGB

    Wie gut Sauerstoff durch den Körper transportiert wird. Niedrig bedeutet Blutarmut, hoch heißt oft schlicht: zu wenig getrunken.

  • Weiße Blutkörperchen WBC und Differentialblutbild

    Die Mannschaftsstärke der Abwehr. Erhöht bei Infektion und Entzündung — bei Tieren aber sehr häufig auch einfach durch Stress.

  • Blutplättchen PLT, Thrombozyten

    Die Zellen, die für die Blutgerinnung sorgen. Bei einem niedrigen Wert lohnt sich eine Kontrolle, denn im Röhrchen verklumpen sie gern und werden dann zu niedrig gemessen.

CHEM

Klinische Chemie

Misst die im Blut gelösten Stoffe — so lässt sich der Zustand der Organe prüfen, ohne sie anzufassen.

  • Nierenwerte Harnstoff, Kreatinin, SDMA, Phosphat

    Wie gut Abfallstoffe herausgefiltert werden. SDMA ist der Frühwarnwert — er verändert sich, bevor das Kreatinin reagiert.

  • Leberwerte ALT, AP, GGT, Bilirubin

    Enzyme, die aus Leberzellen austreten, wenn diese gereizt sind. Sie zeigen, dass die Leber einen genaueren Blick verdient — nicht, was ihr fehlt.

  • Zucker, Eiweiß & Elektrolyte GLU, TP, ALB, Na, K, Cl

    Blutzucker, Flüssigkeitshaushalt und das Mineralstoffgleichgewicht, das Nerven und Muskeln — auch das Herz — am Laufen hält.

Häufig zusätzlich bestimmt

Ein Schilddrüsenwert (T4) bei älteren Katzen und vielen Hunden, eine Urinprobe, die zusammen mit den Nierenwerten gelesen wird, sowie tierartspezifische Tests wie der FeLV/FIV-Test bei Katzen oder ein Pankreastest bei Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Gleicher Test, andere Geschichte

Das ist der Teil, den ein gedruckter Referenzbereich nicht verrät. Hund und Katze werden mit demselben Profil untersucht — aber derselbe Wert kann bei der einen Tierart völlig normal und bei der anderen ein Warnsignal sein.

Beim Hund

  • Eine erhöhte AP ist häufig und oft harmlos — sie steigt mit dem Alter, unter Kortison, bei Zahnerkrankungen und im wachsenden Welpenknochen. Für sich allein bedeutet sie selten eine Lebererkrankung.
  • Das Cushing-Syndrom und die Schilddrüsenunterfunktion sind die klassischen Hormonstörungen — und beide hinterlassen Spuren im Routineprofil, lange bevor man sie vermuten würde.
  • Die Rasse verschiebt die Ausgangslage. Windhunde haben von Natur aus viele rote und wenige weiße Blutkörperchen, Zwergschnauzer hohe Triglyzeride. Gesund, nur eben nicht durchschnittlich.

Bei der Katze

  • Bei der AP ist es genau umgekehrt — Katzen bilden davon viel weniger, deshalb wird schon ein leichter Anstieg ernst genommen und meist weiter abgeklärt.
  • Ab etwa sieben Jahren bestimmen Schilddrüsenüberfunktion und chronische Nierenerkrankung das Bild. T4 und SDMA sind die Werte, die man über die Zeit beobachten sollte.
  • Autofahrt und Wartezimmer können den Blutzucker und die weißen Blutkörperchen einer Katze ganz von allein hochtreiben. Stress im Befund ist real, und deine Tierarztpraxis rechnet damit.

Gilt für beide

Referenzbereiche legt jedes Labor selbst fest, und zwar für ein durchschnittliches erwachsenes Tier. Welpen, Kitten, Senioren und trächtige Tiere können bei bester Gesundheit außerhalb des gedruckten Bereichs liegen — deshalb sagt der Zusammenhang mehr aus als die kleinen H- und L-Markierungen am Rand.

Vier Dinge, die oft falsch verstanden werden

Die meisten nächtlichen Sorgen über einen Laborbericht gehen auf einen dieser vier Punkte zurück.

Ein Wert ist als erhöht markiert, also stimmt etwas nicht.

Ein Wert knapp außerhalb der Grenze ist meist das Uninteressanteste auf der ganzen Seite. Tierärztinnen und Tierärzte lesen Werte in Gruppen — Nierenwerte zusammen, Leberwerte zusammen — weil erst das Muster etwas aussagt.

Alles liegt im Normbereich, also ist mein Tier gesund.

Ein unauffälliger Befund ist wirklich eine gute Nachricht, aber Blut zeigt nicht alles. Eine frühe Nierenerkrankung, viele Tumorarten und die meisten Schmerzen tauchen dort überhaupt nicht auf.

Die Zahl ist die Zahl.

Eine Mahlzeit kurz vorher, eine stressige Autofahrt, eine leicht hämolysierte Probe oder ein anderes Analysegerät in einem anderen Labor können Werte verschieben, ohne dass sich bei deinem Tier irgendetwas verändert hat.

Der Wert ist derselbe wie letztes Jahr.

Der Verlauf sagt mehr als die Momentaufnahme. Ein Kreatinin, das sich innerhalb des Normbereichs verdoppelt hat, kann wichtiger sein als eines, das ruhig knapp darüber liegt.

Den eigenen Befund erklärt bekommen

Alles bisher war allgemein. Jetzt geht es um deinen Hund oder deine Katze.

1

Erzähl uns von deinem Tier

Tierart, Rasse, Alter und Gewicht — damit jeder Wert daran gemessen wird, was für ein Tier wie deines normal ist, und nicht an einem Durchschnittstier.

2

Befund hochladen

Das PDF aus der Praxis oder ein Handyfoto vom Ausdruck. Blutbilder, Urinbefunde und Röntgenaufnahmen funktionieren alle.

3

In Alltagssprache nachlesen

Jeder Wert erklärt und farbig markiert, damit du auf einen Blick siehst, was im Normbereich liegt — dazu eine Liste mit Fragen, die sich beim nächsten Termin lohnen.

Blutwerte meines Tieres hochladen

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Wurde auch geröntgt?

Blutuntersuchung und Röntgen werden meist zusammen angeordnet, und beide beantworten eine andere Hälfte der Frage. Unser zweiter Ratgeber erklärt, wann ein Röntgenbild nötig ist und wie du die hellen und dunklen Bereiche liest.

Zum Röntgen-Ratgeber

Häufige Fragen von Tierhaltern

Was wird bei einem großen Blutbild bei Hund und Katze alles untersucht?

Ein Standardprofil besteht aus zwei Untersuchungen. Das große Blutbild zählt rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen und deckt damit Blutarmut, Infektion, Entzündung und Gerinnung ab. Die klinische Chemie misst Stoffe im Blut, die zeigen, wie Nieren, Leber und Bauchspeicheldrüse arbeiten, dazu Blutzucker, Eiweiß und Elektrolyte. Viele Praxen ergänzen einen Schilddrüsenwert (T4), besonders bei Katzen ab sieben Jahren, und untersuchen häufig zusätzlich eine Urinprobe.

Haben Hunde und Katzen unterschiedliche Normalwerte?

Ja — die Untersuchungen sind dieselben, aber die Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Tierart, und ebenso, was ein auffälliger Wert normalerweise bedeutet. Eine leicht erhöhte AP ist beim Hund häufig und oft harmlos, bei der Katze dagegen so ungewöhnlich, dass sie meist weiter abgeklärt wird. Katzen neigen außerdem zur Schilddrüsenüberfunktion, die beim Hund selten ist, Hunde zum Cushing-Syndrom und zur Schilddrüsenunterfunktion, die bei Katzen selten sind. Den Befund einer Katze mit Hunde-Erwartungen zu lesen, ist einer der schnellsten Wege, sich um das Falsche Sorgen zu machen.

Kann ich die Blutwerte meines Tieres selbst verstehen?

Gut genug, um ein deutlich besseres Gespräch in der Praxis zu führen — und genau darum geht es. Was du allein aus einem Laborbericht nicht kannst, ist eine Diagnose stellen: Dafür braucht es die körperliche Untersuchung, die Vorgeschichte deines Tieres und die tierärztliche Einschätzung. Wenn du aber schon weißt, was SDMA misst und welcher Wert sich seit dem letzten Mal verändert hat, wird der Termin sehr viel ergiebiger.

Was bedeutet es, wenn ein Wert leicht außerhalb des Normbereichs liegt?

Für sich genommen meist sehr wenig. Referenzbereiche sind so angelegt, dass ein kleiner Teil vollkommen gesunder Tiere darunter oder darüber liegt, und jedes Labor legt seine eigenen fest. Ein einzelner Wert knapp jenseits der Grenze, mit unauffälligen Nachbarwerten und einem Tier, dem es gut geht, ist selten der Befund, auf den es ankommt. Deine Tierarztpraxis achtet auf Muster zwischen zusammengehörenden Werten und auf Veränderungen seit der letzten Untersuchung.

Muss mein Tier vor der Blutabnahme nüchtern sein?

Oft ja — viele Praxen bitten um acht bis zwölf Stunden ohne Futter, weil eine Mahlzeit kurz vorher den Blutzucker und die Triglyzeride hochtreibt und die Probe so trüb machen kann, dass mehrere Werte nicht mehr sauber messbar sind. Wasser ist in der Regel in Ordnung. Halte dich an das, was deine eigene Praxis sagt, denn es hängt von den angeforderten Untersuchungen ab — und lass sehr junge, zuckerkranke oder kranke Tiere nie ohne Rücksprache hungern.

Wie lange dauert es, bis die Ergebnisse da sind?

Geräte in der Praxis liefern ein Profil in etwa 15 bis 30 Minuten — deshalb wird das Blutbild vor einer Operation oft gemacht, während du wartest. Proben, die in ein externes Labor geschickt werden, brauchen meist einen bis drei Tage, Spezialuntersuchungen auch länger.

Ersetzt das meine Tierarztpraxis?

Nein, und das soll es auch gar nicht. Read Your Pet's Lab ist ein Werkzeug zum Verstehen: Es erklärt, was auf deinem Befund steht, und hilft dir, dich auf den Termin vorzubereiten. Es kann dein Tier weder untersuchen noch eine Diagnose stellen. Jeder Wert, der dich beunruhigt, gehört ins Gespräch mit der Tierarztpraxis, die dein Tier tatsächlich gesehen hat.

Schluss mit dem Rätselraten über Abkürzungen

Lade den Befund hoch, den du aus der Praxis mitbekommen hast, und lass dir jeden Wert für deinen eigenen Hund oder deine eigene Katze erklären — in wenigen Minuten, in Worten, die Sinn ergeben.

Blutwerte meines Tieres erklären

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